Was ist Reittherapie

Die Reittherapie ist eine ganzheitlich tiergestützte Methode, bei der das Pferd als sensibler Co-Therapeut und als neutrales Gegenüber steht. Das Pferd reagiert feinfühlig auf Körpersprache, Emotionen und Bewegungen. Dies kann Menschen dabei unterstützen, einen leichten Zugang zu ihren eigenen Emotionen und ihrer Körperwahrnehmung zu entwickeln.

Durch den Kontakt mit dem Pferd erhalten Klient:innen Zugang zu ihren Gefühlen, Verhaltensmustern und Bedürfnissen. Pferde reagieren unmittelbar und wertfrei auf Körpersprache und Emotionen. Dieses ehrliche Feedback fördert Selbstwahrnehmung, emotionale Regulation und persönliche Entwicklung. Zudem erfordert die Interaktion mit den Pferden immer Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit, wodurch die Klient:innen lernen, im Hier und Jetzt zur Ruhe zu kommen und sich zu fokussieren. Dadurch können persönliche Ressourcen gestärkt und neue Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden.

Die Arbeit mit dem Pferd – ob beim Putzen, Führen oder Reiten – wirkt beruhigend, stärkt das Körpergefühl und kann bei Themen wie Stress, Burnout, Depression etc. unterstützen.

Positive Wirkung auf Körper und Psyche

Der direkte Körperkontakt zum Pferd (Putzen, Streicheln, Reiten) bewirkt messbare Veränderungen im Körper:

  • Oxytocin-Ausschüttung: Das sogenannte „Bindungshormon“ wird freigesetzt, was Stress reduziert und das Vertrauen stärkt. Gleichzeitig senkt sich der Cortisolspiegel.
  • Serotonin & Dopamin: Die Bewegung an der frischen Luft und die Interaktion stimulieren die Produktion von Botenstoffen, die gerade bei Depressionen oft im Ungleichgewicht sind.
  • Der dreidimensionale Schwingungsimpuls: Die Bewegungen des Pferdes im Schritt sind fast identisch mit dem menschlichen Gangmuster. Dies wirkt tief entspannend auf das Nervensystem und kann psychische Blockaden lockern.
  • Sensorische Erfahrung Die Berührung, der Geruch und die Nähe des Pferdes wirkt auf die Klient:innen beruhigend, was dazu beiträgt, Ängste zu reduzieren.

Ablauf einer reittherapeutischen Sitzung

  • Vorbereitung: Im Rahmen eines Erstgesprächs wird ein Anamnesebogen erstellt. Um sich auf die Stunde einzustimmen, werden die Erwartungen, Ziele und das aktuelle Befinden der Klient:innen besprochen.
  • Putzen und Pflege: Danach wird gemeinsam das Tier geholt und für die Therapiestunde vorbereitet. Hierbei stehen das Putzen und die Pflege des Tieres im Vordergrund, um gegenseitig eine erste Bindung aufzubauen und Vertrauen zu schaffen.
  • Therapie: Anschließend beginnt der therapeutische Teil, bei dem die Arbeit mit dem Pferd im Fokus steht. Je nach individueller Zielsetzung findet diese auf dem Rücken des Tieres oder vom Boden aus statt. Dazu gehören beispielsweise Spaziergänge mit dem Pferd, gezielte Übungen am Pferd, spielerische Interaktionen, oder geführtes Reiten. Diese Übungen dienen dazu, körperliche, emotionale oder soziale Kompetenzen zu fördern.
  • Abschluss: Zum Ende der Therapiestunde wird das Pferd gemeinsam versorgt, abgesattelt und zurückgebracht. In einem kurzen Gespräch wird die Stunde reflektiert. Es wird besprochen, was besonders schön war, welche Fortschritte gemacht wurden und ob es Herausforderungen gab. Dieser ruhige Ausklang ermöglicht es den Klient:innen, das Erlebte zu verarbeiten und die gewonnen Erkenntnisse zu integrieren.

Auch wenn es Reittherapie heißt, ist das Reiten kein Teil der Therapie.
„In meiner Reittherapie steht nicht das Reiten im Vordergrund, sondern die Begegnung mit dem Pferd. Wir arbeiten komplett vom Boden aus. Die Bodenarbeit bietet einen besonders geschützten und intensiven Raum, um an persönlichen Zielen zu arbeiten, da der Fokus ganz auf der Kommunikation und dem Miteinander liegt.“